Plicht erfüllt - Wackler in der Kür

Der Wetterbericht hatte strahlende Sonnenschein und milde 15°C vorhergesagt und er hatte sich nicht geirrt. Dementsprechend und geschuldet der Tatsache, dass heute mal wieder ein Lokalderby gegen den SCB Laurenzberg auf der Tagesordnung stand, war der Wetterschacht gut besucht. Auch eine Hehlrather Delegation war anwesend, um sich den direkten Konkurrenten um die Tabellenspitze anzuschauen.

Locker und leger gehts los

Leider war der Schreiberling ein wenig zu spät und dann auch noch in ein Pläuschen mit Kassierer Guido vertieft. Als ich dann aber den Platz betrat, wurde gerade der Anstoß nach der 1:0-Führung für die Hausherren ausgeführt. Verlässliche und aufmerksame Scouts konnten dann davon berichten, dass Cremer  ein feines Bällchen auf den rechten Flügel zu Sven Nowak spielte, seine Hereingabe konnte Arifi dann aus  fünf Metern locker einnetzen. Irgendwie beschlich alle Betrachter das Gefühl, dass die Partie schon vor dem Anpfiff entschieden war. Und so waren die Gäste darauf aus, das Ergebnis in erträglichem Rahmen zu halten, während die Gastgeber die notwendige Bissigkeit und Laufbereitschaft vermissen ließen. Ergebnis war ein müder Kick, der mehr an eine Trainingseinheit als ein Meisterschaftsspiel erinnerte. Kaum Zweikämpfe, Lücken in der Raumaufteilung und mangelnder Zug zum Tor ließen dann auch beim manchen Betrachter Langeweile aufkommen.

Trainer Talic stachelt Henkel an

Trainer Talic schwoll so manches Mal der Kamm angesichts der Darbietungen seiner Mannschaft. Nach einem kleinen, harmlosen Disput mit Sascha Henkel war dieser wohl an der Ehre gepackt. Er schnappte sich den Ball am eigenen Strafraum, trieb das Leder durchs ganze Mtttelfeld und spielte dann einen genau dosierten Ball auf Nowak, der in den freien Raum gestartet war. In typischer Manier vollendete Letzterer dann zum 2:0 in der 36. Minute. Ein leichter Ruck schien durch die Mannschaft zu gehen, zielstrebiger wurde nach vorne gespielt und auch kombiniert. So auch bei Arifi, der einen klugen Diagonalball auf den startenden Weber spielte, sein Abschluss war leider zu unplatziert und somit vom Keeper ohne Probleme zu entschärfen. Das dritte Tor wurde begünstigt durch einen kapitalen Abwehrfehler der Gäste. Deniz Özkoca konnte zunächst ungehindert vom linken Flügel flanken und auch in der Mitte erfreute sich Nowak großzügiger Freiräume. Den Flankenball konnte er ohne Probleme am Elferpunkt annehmen und sich anschliessend die Ecke aussuchen. Das 3:0 noch vor der Pause (44.).

Die ganze Harmlosigkeit dann in der 45. Minute, als es zur ersten Torchance der Gäste kam. Einen Flankenball verwandelte der schwarz-gelbe Stürmer zu einer Bogenlampe, der weit über das Tor flog. Das aben die anderen Schwarz-Gelben zu meinem Leidwesen gestern wesentlich besser gemacht. Mit diesem 3:0 ging es dann in die Halbzeitpause.

Treffen oder Laufen

Mit dem Ergebnis konnte Talic zur Halbzeit noch zufrieden sein, nicht mit der Art und Weise dieses Auftritts. Und so fand der Coach in der Halbzeit auch klare Worte - die Mannschaft hatte eine Vorgabe von acht Toren zu erfüllen oder sich beim nächsten Training auf die ungeliebten Laufeinheiten einzustellen. Vom Anstoß weg zog der FV nun ein druckvolles Pressing bereits am gegnerischen Strafraum auf und konnte so einige Fehler und Ballverluste in der Hintermannschaft der Gäste provozieren. So bereits in der 46. Minute, als Besart sich den Ball früh erkämpft und sich mit Nowak in einer 2:1-Überzahlgelegenheit wiederfindet. Jedoch legte er sich den Ball zu weit vor, so dass der Schlussmann klären konnte. Dieser passte wenig später ebenso gut auf und konnte einen langen Ball af Nowak im Laufduell zum Einwurf klären. Dieser Einwurf kam zu Besart Bajri, der am rechten Strafraumeck trocken abzog und den eben noch aufmerksamen Torwart zum 4:0 überraschen konnte (48.).

Die Mannschaft schien das Damoklesschwert der Lauffolter zu spüren und abwenden zu wollen, denn nur 4 Minuten später startete erneut Nowak, der zu keiner Zeit von der gegnerischen Defensive zu kontrollieren war, ging bis zur Grundlinie durch und auch diesmalbrauchte Arifi nur den Schlappen hinzuhalten, um die Hereingabe aus kurzer Distanz ins verwaiste Tor zu schieben (52.). Auf der Gegenseite gab es dann die einzige Gelegenheit der Gäste im zweiten Durchgang. Doch den Kopfball aus 9 Metern kann Wangnick mit schöner Flugeinlage entschärfen.

Debüt des Neuzugangs

Nach einer knappen Stunde dann der Doppelwechsel beim FV Eschweiler. Rene Berg, der in den letzten Wochen aufgrund einer OP aussetzen musste, ersetzte Sascha Henkel und für Besart Bajri kam Gharib Raouyati zu seinem ersten Einsatz. Dem Torhunger tat das keinen Abbruch. Dardan spielt schnell und vertikal in die Spitze, Weber vollstreckt überlegt und abgezockt (62.). Die Defensive der Laurenzberger stand nun vor immer größeren Problemen, konnte die Angriffsbemühungen der Gastgeber zu keiner Phase entscheidend stören. Das einzige taktische Mittel, das ihnen blieb, war das Zeitspiel und die Tempoverschleppung. Doch der FV tat sein übriges, damit die Partie nicht zum totalen Debakel für die Laurenzberger wurde. Das Mittelfeld wurde völlig aufgegeben, so dass immer wieder riesige Lücken und zu große Abstände zwischen Abwehr und Angriff entstanden. 

Fahrlässiger Umgang mit den Chancen

Die letzten 20 Minuten waren geprägt von Eigensinn und taktischer Unordnung. Nun beteiligte sich jeder am Sturmlauf, jeder wollte den Abschluss suchen. Dabei wurde die taktische Grundöordnung völlig aufgegeben. Das Spiel wurde viel zu eng gemacht, Einzelaktionen gesucht und der Abschluß viel zu hektisch. Die ominöse 8 schwebte über den Spielern in schwarz-weiß, die Chancen wurden jedoch liegen gelassen. Riesig, die Chance in der 70. Minute: Gharib Raouyati tankt sich auf rechts durch, seine Hereingabe schaufelt Denise Cremer aus einem Meter Entfernung über das Tor - hier ist wohl ne Kiste Bier fällig. Die Gelegenheiten kamen weiter, die Verwertung blieb gleich und die Gründe hierfür auch. Ein jeder wollte sich in die Torschützenliste eintragen, das Zusammenspiel - eigentlich die Stärke der Wetterschachtler - wurde komplett vergessen. Ein einziges Tor gelang dann doch noch - Dardan Bajri mit schönem Zuspiel in den Lauf von Nowak, der den Torwart verlädt und zum 7:0 überwindet. Ob Trainer Talic nun Gnade vor Recht ergehen lässt oder die Mannschaft zum Lauftraining antreten muss, stand bei Redaktionsschluß noch nicht fest.

Mannschaft weiter auf Kurs

Die Mannschaft hat die Pflicht heute erfüllt, was nach den harten Spieltagen der letzten Wochen nicht einfach war. Lediglich in der Kür gab es den ein oder anderen Wackler, die zu Abzügen in der B-Noten führte. Das die hohe Schlagzahl der letzten Wochen nicht zu 100% aufrecht erhalten werden konnte, ist mehr als selbstverständlich und wird die Mannschaft nicht vom Kurs abbringen. Das Rennen um die Meisterschaft bleibt spannend - am kommenden Sonntag reist der FV-Troß zum nächsten Lokalderby nach st. Jöris.

 

Aufstellung: Wangnick - Klassen, Fink, Cremer, Özkoca - D. Bajri, Henkel (60. Berg), B.Bajri ( 60. Raouyati) , Arifi - Weber, Nowak

 

Tore: 1:0 Arifi (15., Nowak), 2:0 Nowak (36., Henkel), 3:0 Nowak (44., Özkoca), 4:0 B. Bajri (48., Klassen), 5:0 Arifi (52., Nowak), 6:0 Weber (62., D.Bajri), 7:0 Nowak (80. D.Bajri)