Starke Gäste verlangen dem FV alles ab

Walter hatte das Flutlicht angemacht und die besondere Atmosphäre, die dann am Wetterschacht entsteht hatte einige Zuschauer angelockt, in der Hoffnung auf ein rassiges Fußballspiel. Und das Spiel hielt alles, was man sich versprechen konnte. Tempofussball, rassige Zweikämpfe, leidenschaftliche Mannschaften und 4 Tore gab es an diesem Donnerstag abend.

Tolle erste Halbzeit, leerer Zettel

Normalerweise schreibe ich meinen Notizzettel voll, DIN A4, beidseitig und eng beschrieben. Doch diesmal steht nicht viel auf dem Zettel und das nicht, weil es nichts zu berichten gäbe, sondern weil mich das Spiel so in den Bann gezogen hat, dass an eine wissenschaftliche Chronistenarbeit nicht zu denken war. So muss ich heute mehr aus dem Gedächtnis und aus dem Bauch heraus schreiben, mal schauen, wohin das Ganze führt.

Beide Mannschaften hielten sich nicht lange mit Abtasten auf, sondern suchten den schnellen Weg nach vorne, wobei Atsch zunächst mehr vom Spiel hatte und mit intelligentem Kreuzen und gefährlichen Diagonalbällen für Unruhe und Gefahr vor dem Tor sorgte. Auch die Wetterschachtler kombinierten sich mit schnellen Flachpässen in aussichtsreiche Positionen, der Abschluß blieb aber zunächst zu ungenau. Anders in der 13. Minute: Nowak wird in steil in den linken Teil des Strafraums geschickt, schlägt einen Haken, den Pass in die Mitte kann Besart Bajri ohne Mühe in die Maschen setzen. Die Atscher waren kurz geschockt und hatten für einige Minuten Probleme, sich dem Sturmlauf des FV entgegenzustemmen. Chancen im Minutentakt waren die Folge, die teilweise fahrlässig vergeben wurden.

Nach einer knappen, halben Stunde fingen sich die Gäste wieder. Schnelles Direktpassspiel stellte die Abwehr des FV immer wieder vor interessante Herausforderungen. Brenzlig wurde es als ein Stürmer in den Strafraum eindringen konnte. Sein langer Ball flog über die Innenverteidigung, die folgende Direktabnahme war brandgefährlich, konnte aber von Wangnick souverän pariert werden (26.). Auf der Gegenseite war es Nowak, der einen Drehschuss am Winkel vorbeihämmerte (29.), einen Kopfball nicht drücken konnte (31.) oder nach schöner Drehung um den Gegenspieler vor dem leeren Tor zu Fall kam (33.). Warum der Elfmeterpfiff ausblieb - dieses Urteil kann ich aus 100 Metern Enfernung nicht fällen.

Auf der Gegenseite kann zunächst Klassen für den bereits geschlagenen Wangnick auf der Linie klären (36.) und kommt ein Freistoß aus dem Halbfeld gefährlich aufs Tor des FV, der Mann und Maus passiert, seine Reise aber dann am rechten Außenpfosten beendet, hier Manni wäre sicherlich zur Stelle gewesen (39.). Dann wieder der FV am Drücker, langer Ball auf Nowak, der den Ball über den heraus stürmenden Torwart an die Latte lupft (44.). Dann war Halbzeit in einer abwechslungsreichen und offenen Partie.

Nach dem Seitenwechsel kommt Hektik auf

Nach der Pause kam der FV  stark über die rechte Seite. Hier sorgte Klassen immer wieder für Gefahr und Betrieb. Einen starken Ball spielte Dardan Bajri auf Nowak, der sich mit seinem typischen Antritt von seinem Gegenspieler löste und fulminant abschloss, seinen Schuss konnte der Gästekeeper nur abklatschen, Besart Bajri kam einen Schritt zu spät um den zweiten Ball über die Linie drücken. In der 56. Minute dann die kalte Dusche für den FV.  Eine Standardsituation wird zu kurz abgewehrt, der folgende Schrägschuß schlägt unhaltbar für Manni, dem die Sicht verdeckt war zum 1:1 ein (56.). Der Hehlrather "Spion" telefonierte die frohe Botschaft dann direkt in die Heimat.

Die Partie legte noch einmal an Intensität zu, sie schlug dann stellenweise in Hektik um. Höhepunkt war der Kommentar unseres Trainers nach einer ausgebliebenen Abseitsentscheidung, der ihn den Verweis von der Platzanlage einbrachte. Wer Sanjin kennt, weiß wie sehr unter der anschliessenden Tatenlosigkeit gelitten hat. Die Mannschaft ließ sich von der Hektik anstecken und rieb sich in Diskussionen mit dem Schiedsrichter auf. Außer einer Flut von gelben Karten erreichten sie mit ihren Diskussionen aber nichts. Der ganze Wetterschacht nun in heller Aufregung, hitzige Atmosphäre von allen Seiten - die spielentscheidende Szene aber dann etwa 20 Minuten vor Schluß. Mit beiden gestreckten Beinen ging ein Atscher in den Zweikampf - eigentlich glatt rot, das war gesundheitsgefährdend. Der Referree zückte aber gelb-rot, damit war der Atscher gut bedient.

Nun igelten sich die Gäste hinten ein und waren auf den einen Punkt aus. Nur noch vereinzelte Nadelstiche wurden gesetzt, bei denen sie aber immer gefährlich blieben. Zwei Faktoren entschieden dann letztendlich das Spiel - einerseits die bessere körperliche Verfassung und die Einwechslung von Kalff. Der machte die ohnehin starke rechte Seite noch stärker. Immer wieder drang er im Zusammenspiel mit Klassen bis zur Grundlinie durch, seine gefährlichen Hereingaben konnten aber im Zentrum nicht verwandelt werden. Um die 80. Minute dann die Führung für den FV: wieder wurde Druck aufgebaut, schnell gespielt und die Abwehr der Gäste aufgerissen. Als nach einem Mißverständnis zwischen Nowak und Weber die Situation fast schon geklärt schien, kam Veton an den Ball, der seinen Bruder am linken Strafraumeck anspielt. Dardan Bajri fackelt nicht lange und zieht ab. Der Ball drehte sich zunächst in die Arme des Torwarts, dann in der Mitte der Flugbahn von ihm weg und schlägt im rechten Winkel ein.

Nowak macht den Sack zu

Die Partie blieb spannend und offen, der FV drängte auf die endgültige Entscheidung, Atsch hoffte auf den einen Konter. Und der kam auch. Bei einer erneuten Standardsituation steht ein vergessener Atscher frei im Strafraum, seinen harten Schuß kann Manni Wangnick glänzend festhalten und mit ihm die 3 Punkte. Im Gegenzug sind es wieder einmal Klassen und Kalff, die die Entscheidung einleiten, schnell über rechts, dann wird Besart im Strafraum angespielt, eine Drehung, der Ball kommt zu Nowak und per Pressschlag landet der Ball zum dritten Mal in den Maschen der Stolberger (95.). Anschließend wurde die Partie nur noch zum Anstoß angepfiffen.

Die Mannschaft reift

Die Mannschaft reift von Spiel zu Spiel. Auch bei Rückschlägen bricht die Mannschaft nicht ein, sondern drückt dem Spiel seinen Stempel auf. Inzwischen steht eine Einheit auf dem Platz, in der einen für den anderen läuft und rackert. Es bleibt beim spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen an der Tabellenspitze. Die nächste Etappe ist das Heimspiel am kommenden Sonntag, bei dem die Mannschaft des SCB Laurenzberg zu Gast sein wird. Anpfiff ist 15:00 Uhr.

 

Aufstellung: Wangnick - Klassen, Henkel (36. Arifi), Fink,Özkoca - Cremer, D.Bajri, V. Bajri (70. Kalff), B. Bajri - Weber, Nowak

 

Tore: 1:0 B. Bajri (13., Nowak), 1:1 (56.), 2:1 D. Bajri (78.,V.Bajri), 3:1 Nowak (90.+5., B.Bajri)